Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit in Bretten

03.10.2020


Heute Morgen hatte ich die Ehre bei der traditionellen Feierstunde der CDU Bretten zum Tag der Deutschen Einheit die Festrede zu halten.

Corona-bedingt konnte die Veranstaltung zwar erstmals nicht im "Alten Rathaus" stattfinden. Aber der alternative Standort im Freien hätte perfekter nicht sein können: Die Veranstaltung wurde an die deutsche Eiche verlegt, die vom damaligen Oberbürgermeister Paul Metzger vor 30 Jahren gepflanzt wurde. So konnten die Abstandsregeln problemlos eingehalten werden.


Hier meine Festrede zum Nachlesen:

"Für uns Christdemokraten hat dieser Tag eine ganz besondere Bedeutung. Die CDU hat in all den Jahren der DDR-Diktatur an einem immer festgehalten: An den Glauben an die deutsche Wiedervereinigung.

Vor knapp 31 Jahren – am 9. November 1989 besiegelte der Mauerfall das Schicksal der kommunistischen Diktatur. Und der Mauerfall schickte ein Volk auf eine Reise mit noch unbekanntem Ziel.

Es war damals ein großer Glücksfall, dass in diesem Augenblick Helmut Kohl Bundeskanzler war.

Als Politiker hatte er gute Kontakte zu unseren westlichen Partnern aber auch in die damalige Sowjetunion aufgebaut.

Als Historiker wusste er um den Wankelmut der Weltgeschichte.

Schon im Dezember 1989 hatte Helmut Kohl den Dresdnerinnen und Dresdnern bei seinem Besuch zugerufen: „Mein Ziel bleibt – wenn die geschichtliche Stunde es zulässt – die Einheit unserer Nation.“

Viele andere haben damals gezögert.

  • Oskar Lafontaine hat nie nach der Einheit Deutschlands gestrebt.
  • Willy Brandt sagte im Jahr 1988 (nur zwei Jahre vor der Einheit) die Hoffnung auf Wiedervereinigung sei zu einer Lebenslüge der alten Bundesrepublik geworden.

Und das, obwohl die Mütter und Väter des Grundgesetzes einen klaren Auftrag gegeben hatten. Im Grundgesetz hieß es: „Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.“

Helmut Kohl und die CDU haben nicht gezögert. Wir standen zu unserem Wort.

Der Tag der Wiedervereinigung – der 3. Oktober 1990 ist auch ein Tag, der uns daran erinnert, was Menschen mit ihrem Mut vollbringen können. Diesen Menschen möchte ich danken – diesen Menschen, die den Fall der Mauer und somit die Einheit Deutschlands herbeigeführt haben.

Ihr Ruf „Wir sind das Volk!“ wurde zum Ruf „Wir sind EIN Volk!“. Es ist diese Botschaft, die letztlich Freiheit und Einheit für alle Deutschen brachte.

Ich erinnere mich noch gut an den 3. Oktober 1990. Ich war damals 18 Jahre alt und hatte im Sommer den Führerschein gemacht. Das ÖPNV-Netz war seinerzeit noch nicht ganz so gut wie heute. Also bin ich mit Freunden mit dem Auto nach Karlsruhe gefahren, um in die Wiedervereinigung hinein zu feiern.

Jeder von uns hatte eine Deutschlandfahne dabei. Die hatten damals viele noch übrig von der Fußball-WM kurz davor - Deutschland wurde Weltmeister durch einen 1:0-Sieg gegen Argentinien. Die Karlsruher Innenstadt war gut gefüllt mit Menschen aller Altersklassen.

Um Mitternacht brach Jubel aus und die Menschen haben die Nationalhymne angestimmt. Und vereinzelt gab es Feuerwerk.

Nur elf Monate nach dem Fall der Berliner Mauer war Deutschland also wieder vereint. Dass wir heute in einem geeinten, freien Deutschland leben können, ist für uns alle ein Glücksfall der Geschichte. Diesen Glücksfall verdanken wir vielen Menschen.

Die mutigen Menschen in der ehemaligen DDR mit ihrem friedlichen Protest gegen Unterdrückung und Willkür habe ich bereits erwähnt.

Auch Helmut Kohl, der die historische Chance erkannte, habe ich schon genannt.

Wir verdanken aber die Wiedervereinigung auch Michail Gorbatschow, George Bush, François Mitterrand und Margaret Thatcher. Helmut Kohl ist es gelungen bei allen Staatschefs die Skepsis zu überwinden und Vertrauen zu gewinnen. Die Staatschefs haben dann den Weg frei gemacht für die 2+4-Gespräche. Dabei hatten die jeweiligen Außenminister strittige Fragen zu klären: Grenzfragen, politisch-militärische Fragen und vieles mehr.

Wir verdanken die Einheit Deutschlands aber auch Lothar de Maizière. Nach den ersten freien Volkskammerwahlen im März 1990 wurde er erster und zugleich letzter demokratisch gewählter Ministerpräsident der DDR.

Ein Dank geht aber auch an den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Innerhalb von nur acht Wochen schloss er die Verhandlungen zum Einigungsvertrag ab. Auf über 1.000 Seiten wurde alles geregelt: Von der Anerkennung von Berufsabschlüssen bis zu Eigentumsfragen. Innerhalb von acht Wochen! Und man muss betonen: Für so einen Vertrag gab es keine Checkliste, keine Blaupause, kein Vorbild!

Bei der Unterzeichnung des Einigungsvertrages wurde deutlich: Deutschland wächst zusammen. Der goldene Füllfederhalter der Marke „Markant" stammte aus der DDR, das Papier kam aus Bonn. Mit West-Sekt wurde in Kristallgläsern aus dem Osten auf den unterzeichneten Vertrag angestoßen.

Als „Partei der Einheit“ waren wir dann sogar der staatlichen Einheit einen Schritt voraus. Unmittelbar vor dem Tag der Deutschen Einheit, am 1. und 2. Oktober 1990, fand in Hamburg der erste gesamtdeutsche Parteitag der CDU statt.

Heute leben wir in einem wiedervereinigten Deutschland und schauen stolz auf 30 Jahre gemeinsamer Geschichte zurück.

Am Anfang stand die große Überzeugung, dass alles sehr schnell gelingen würde: das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Zusammenwachsen von Ost und West.

Vor allem die ersten Jahre brachten Enttäuschungen, Rückschläge, auch Bitterkeit. Es war die Zeit, als selbst Abiturienten vielerorts keine Lehrstelle im Osten fanden. Es war die Zeit, als fast jede Familie von Arbeitslosigkeit betroffen war. Es war auch die Zeit mancher Zweifel und Missverständnisse.

Doch inzwischen sind die ostdeutschen Länder starke Regionen mit attraktiven Arbeitsplätzen und erfolgreichen Unternehmen.

Löhne und Renten sind deutlich gestiegen.

Vieles wurde gemeinsam erreicht. Aber ja, es bleibt noch genug zu tun.

Die Herausforderungen sind groß. Aber die CDU hat in den vergangenen 75 Jahren – auch wenn es schwierig wurde – Verantwortung übernommen und für eine gute Zukunft unseres Landes gearbeitet.

  • Das galt beim Aufbau unseres Landes unter Konrad Adenauer.
  • Das galt vor 30 Jahren bei der Überwindung der Trennung unseres Landes.
  • Und das gilt auch heute in einer der schwersten Krisen der Bundesrepublik Deutschland.

Mit der CDU an der Spitze können die Menschen der Regierung vertrauen. Wir werden auch weiterhin für eine gute Zukunft unseres Landes arbeiten – mit Mut, Zuversicht und Gottvertrauen.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit!"